Schnatter, Verdächtigungen und rollende Beweismittel
Das Fass ist weg – und jeder war es ein bisschen
Rund 1.000 Enten sind gerade erst in Kandel angekommen. Eigentlich müsste nun ausgepackt, gezählt und ordentlich eingestallt werden. Stattdessen steht die Biertrinker-Ente ohne Fass auf dem Hof – und Bobby hat endlich den Kriminalfall, auf den vermutlich nur Bobby gewartet hat.
Eine Ente ohne Fass ist keine entspannte Ente
Die Biertrinker-Ente stand noch immer an der Stelle, an der ihr Fass hätte stehen sollen. Sie sah auf den leeren Boden, dann zu Bobby und schließlich wieder auf den leeren Boden – als könne das Fass durch ausreichend empörtes Starren zurückkehren.
„Ich frage ein letztes Mal: Wo ist mein Fass?!“
Bobby erklärte ruhig, dass dies bereits das elfte letzte Mal sei. Die Biertrinker-Ente antwortete, bei einem verschwundenen Fass dürfe man mit Zahlen nicht kleinlich sein. Alois nickte zustimmend. Er war allerdings nicht gefragt worden.
Die Spur führt zum Wachhäuschen
Hinter dem Container entdeckte Bobby zwei feine Rollspuren. Sie führten quer über den Hof, zwischen Kartons hindurch und direkt am Wachhäuschen vorbei. Dort endeten sie zunächst in einem kreisrunden Abdruck im Staub. Fassrund. Fassgroß. Und ausgesprochen verdächtig.
Herr Hering, der Wächter des Lagers, trat mit Schlüsselbund, Klemmbrett und der Miene einer Ente vor die Tür, die schon vor der ersten Frage beschlossen hatte, nichts zu wissen.
„Ich habe nur aufgepasst. Genau dafür werde ich schließlich nicht bezahlt, aber trotzdem mache ich es.“
Bobby zeigte auf den Abdruck. Herr Hering erklärte, das könne alles Mögliche gewesen sein: ein Reifen, ein Blumentopf oder eine sehr runde Ente. Die Biertrinker-Ente hielt diese Theorie für beleidigend – vor allem für das Fass.
Ein Alibi mit kleinen Holzsplittern
Bobby begann mit der offiziellen Vernehmung. Wo war Herr Hering während der Entladung? Am Tor. Wer hatte Zugang zum Hof? Praktisch jede der rund 1.000 Enten. Hatte er das Fass gesehen? Nein. Hatte er etwas rollen hören? Vielleicht. Hatte er versucht, es aufzuhalten? Darauf müsse er aus Datenschutzgründen nicht antworten.
Während Herr Hering sprach, entdeckte Bobby einen kleinen Holzspan an dessen Schuh. Die Biertrinker-Ente schnappte hörbar nach Luft. Herr Hering behauptete, in einem Lager mit Holzprodukten sei ein Holzspan ungefähr so verdächtig wie Wasser im Meer.
Das war leider nicht völlig falsch. Bobby notierte trotzdem: „Verdächtig schlüssige Ausrede.“
Die Rollspur geht weiter
Hinter dem Wachhäuschen tauchten die Spuren wieder auf. Offenbar hatte jemand das Fass dort nur kurz abgestellt und anschließend weiterbewegt. Die Spur führte über den Hof, vorbei am Verpackungstisch und schließlich direkt zum Büro von Herrn Meyer.
Die Punker-Ente erinnerte sich plötzlich, Herrn Meyer am Morgen mit einem Zollstock gesehen zu haben. Außerdem habe er gesagt: „Das Fass würde hervorragend ins Büro passen.“
Herr Meyer bestritt dies später entschieden. Er habe gesagt: „Das passt hervorragend in die Büroplanung.“ Das sei etwas vollkommen anderes – vor allem aus Sicht der Geschäftsführung.
Rumpeln hinter verschlossener Tür
Bobby stellte sich vor die Bürotür. Herr Hering hielt sicherheitshalber seinen Schlüsselbund fest. Die Biertrinker-Ente presste den Schnabel fast an die Scheibe. Herr Meyer erschien am Fenster – mit Klemmbrett, Kaffeetasse und dem Gesichtsausdruck eines Chefs, der gerade eine Erklärung erfindet.
„Ich kann das erklären …“
Noch bevor jemand fragen konnte, was genau erklärt werden müsse, ertönte aus dem Büro ein dumpfes Rumpeln. Dann ein zweites. Kartons wackelten. Eine Holzkiste kippte um – und hinter ihr rollte tatsächlich ein Fass hervor.
Gefunden! Nur leider das falsche Fass
Die Biertrinker-Ente stürzte vor, umarmte das Fass und hielt plötzlich inne. Auf der Vorderseite klebte ein großes Schild: „Eigentum von Alois – Finger weg!“
Vom anderen Ende des Hofes ertönte ein entsetzter Ruf. Alois kam angerannt und wollte wissen, was sein Fass im Büro des Chefs verloren habe. Herr Meyer sah zu Herr Hering. Herr Hering sah zu Bobby. Bobby sah auf die inzwischen drei verschiedenen Rollspuren am Boden.
Dann piepte draußen ein Hubwagen. Darauf stand – zwischen zwei Kartons eingeklemmt – noch ein Fass. Ohne Etikett. Ohne Besitzer. Aber mit einer verdächtig fröhlichen Punker-Ente daneben.
Nächste Folge
Folge 3: Drei Fässer und keine Wahrheit
Alois fordert sein Eigentum zurück, die Biertrinker-Ente erkennt ihr eigenes Fass angeblich am Klang und Bobby muss klären, warum Herr Hering überhaupt ein Fass hinter seinem Wachhäuschen versteckt hatte.