Weißbier, Verdachtsmomente und ein Flohmarkt-Deal mit Schnabelgeruch
Alois, der Berliner und eindeutig zu viele Fässer
Nach dem peinlichen Zwischenstopp von Alois’ Fass im Büro von Herrn Meyer ist im Lagerhof von Kandel endgültig jede Form von Ordnung abgereist. Die Biertrinker-Ente sucht noch immer ihr verschwundenes Fass, Bobby ermittelt inzwischen gegen alles, was rollt – und Alois behauptet, ohne Weißwurst und Weißbier sei überhaupt keine seriöse Aussage von ihm zu erwarten.
Ein verdächtig zufriedener Alois
Noch während Bobby auf dem Hof verschiedene Rollspuren miteinander verglich, war Alois plötzlich verschwunden. Fünf Minuten später wurde er am Rand des Lagers wiederentdeckt – neben einem bayrischen Brezn-Stand, einem frisch angezapften Fass und einem Gesichtsausdruck, der verdächtig wenig nach Krisensitzung aussah.
„Ohne Weißwurst und Weißbier bin i ned happy!“
Die Biertrinker-Ente hielt das nicht für ein Alibi. Bobby ebenfalls nicht. Herr Hering notierte auf seinem Klemmbrett unter „Verdächtige Aktivitäten“ zunächst: trinkt Bier, wirkt zufrieden, zeigt keine Reue.
Alois erklärte, dieses Fass sei eindeutig seines. Erstens habe es Stil. Zweitens habe es Charakter. Drittens sei darin Weißbier – und wer jemals mit einem Fass voller Weißbier diskutiert habe, wisse, dass so etwas nicht einfach irgendeiner Biertrinker-Ente gehöre.
Bobbys Verdacht wächst – leider in alle Richtungen
Bobby blieb professionell. Also so professionell, wie Bobby eben wird, wenn drei Fässer, rund 1.000 Enten und ein übermotivierter Herr Hering gleichzeitig seine Aufmerksamkeit wollen. Natürlich lag ein Verdacht auf der Hand: Wenn irgendwo Bier fehlte, war Alois zumindest theoretisch nicht die abwegigste Spur.
Die Biertrinker-Ente verschränkte die Flügel und erklärte, sie erkenne ihr eigenes Fass sofort – am Klang, an der Haltung und notfalls auch am Duft. Leider musste sie eingestehen, dass das Fass von Alois tatsächlich nach Weißbier roch und nicht nach ihrer bevorzugten Hausmischung aus Hopfen, Gemütlichkeit und Kontrollverlust.
Damit war Alois zwar nicht automatisch unschuldig, aber zumindest nicht unmittelbar überführt. Bobby schrieb in sein Notizbuch: „Mögliches Motiv vorhanden. Falscher Inhalt. Verdacht bleibt auf mittlerer Schnabelhöhe.“
Ein Tipp führt zum Flohmarkt
Genau in diesem Moment platzte eine Hafen-Ente mit einer Neuigkeit herein: Am Rand von Kandel Hafen habe der Berliner soeben auf einem improvisierten Flohmarkt ein „Original Fass – fast neu“ angeboten. Dazu gab es den Satz „Nicht fragen, einfach kaufen“, was Bobby grundsätzlich nicht als vertrauensbildende Maßnahme einstufte.
Die Beschreibung passte erschreckend gut. Der Berliner war bekannt dafür, aus drei alten Brettern, einer kaputten Laterne und einem sehr selbstbewussten Schild innerhalb von fünf Minuten einen Schwarzmarkt mit Event-Charakter zu eröffnen. Wenn irgendwo ein Fass zu schnell auftauchte, dann meistens dort, wo schon der Preis verhandelbar war, bevor überhaupt jemand gefragt hatte.
Also zog die gesamte Ermittlungsgruppe los: Bobby vorneweg, die Biertrinker-Ente hoch empört, Alois leicht beschwingt und Herr Hering mit Klemmbrett, Schlüsselbund und dem festen Vorsatz, diesmal ganz sicher nichts anzufassen, das Rollen könnte.
Der Berliner verkauft – vielleicht – nur „zufällig“ ein Fass
Am Stand angekommen, lehnte der Berliner bereits äußerst lässig an seinem Angebot und versicherte, er verkaufe nur ehrliche Ware mit spannender Vorgeschichte. Woher das Fass stamme, könne er nicht mehr genau sagen. Möglicherweise aus einer Haushaltsauflösung. Möglicherweise aus einem Container. Möglicherweise aus dem Schicksal.
„Original Fass. Fast neu. Garantiert echt. Nur heute. Kein Rückgaberecht, aber viel Charakter.“
Bobby betrachtete das Fass. Die Biertrinker-Ente betrachtete das Fass. Alois betrachtete vor allem die handgeschriebene Preistafel und murmelte, dass ein echter Bierfreund bei diesen Preisen misstrauisch werden müsse. Herr Hering hielt sicherheitshalber Abstand. Vermutlich aus Gewohnheit.
Die schlechte Nachricht: Das Fass war offensichtlich echt. Die gute Nachricht: Es war offenbar nicht das gesuchte Fass der Biertrinker-Ente. Stattdessen entdeckte Bobby an der Seite einen schwach lesbaren Vermerk, der auf einen älteren Hafenbestand hinwies. Der Berliner zuckte nur mit dem Schnabel und behauptete, gute Ware suche sich eben ihren Weg.
Ein Kassenzettel macht alles nur noch schlimmer
Gerade als Bobby den Stand offiziell beschlagnahmen wollte – zumindest innerlich, denn formell war er noch dabei, sich die Zuständigkeit schönzureden – wehte ein kleiner Zettel unter dem Fass hervor. Herr Hering hob ihn auf, ohne es zu wollen. Darauf stand in krakeliger Schrift:
„Flohmarkt Kandel Hafen – 1 gebrauchtes Zierfass, bar bezahlt. Käufer: Alois.“
Alle schauten gleichzeitig zu Alois. Alois schaute zurück, dann auf sein Weißbier und erklärte, das sei nur ein dekoratives Zweitfass für gemütliche Stunden gewesen. Das müsse man doch auseinanderhalten können.
Bobby hingegen notierte sofort: „Alois kauft heimlich Fässer beim Berliner. Entweder völlig harmlos oder herrlich kompliziert.“
Noch ein Fass. Und diesmal wird es wirklich unerquicklich.
Noch während Bobby den Kassenzettel anstarrte, erklang hinter dem Flohmarktstand ein dumpfes Rollen. Zwischen zwei Kisten mit „seltenen Teilen für alte Enten“ tauchte plötzlich ein weiteres Fass auf – deutlich kleiner, deutlich frischer und mit einem halb abgerissenen Anhänger am Griff.
Die Biertrinker-Ente riss die Augen auf. Auf dem Anhänger stand nur noch: „B. Trin…“ Mehr war nicht zu lesen. Jemand hatte den Rest sauber abgerissen.
Der Berliner hob beschwichtigend die Flügel. Alois griff instinktiv nach seinem Weißbier. Bobby zog sein Notizbuch. Und irgendwo hinter den Kisten kicherte bereits wieder eine Ente, die ganz sicher nichts Gutes vorhatte.
Nächste Folge
Folge 4: Das Fass mit dem halben Namensschild
Hat der Berliner mehr verkauft, als er zugeben will? Warum kauft Alois Zierfässer im Hafen? Und wer versteckt sich eigentlich hinter den Kisten? Bobby ist sicher: Die Wahrheit rollt bereits auf ihn zu.
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