Pool, Panik und eine Majestät mit bemerkenswertem Timing
Vermisst? Nein. Nur am Pool.
Die feuchten Tapsen, der Duft nach Sonnencreme und das leise Platschen hatten Bobby bereits ahnen lassen, dass der neue Fall vielleicht weniger dramatisch sein könnte, als er gehofft hatte. Trotzdem zog die gesamte Ermittlungsgruppe los: Herr Hering mit Klemmbrett, der Berliner mit Meinung, die Biertrinker-Ente mit neu gesicherter Fass-Paranoia – und Bobby mit dem festen Vorsatz, diesmal wirklich Ordnung in den Entenstall von Kandel zu bringen.
Die Vermisste war nie wirklich weg
Hinter dem Lager, direkt am kleinen Poolbereich des Kandel Hafen, saß die Dame aus Baden-Württemberg vollkommen entspannt in der Sonne. Neben ihr stand ein Cocktail, hinter ihr glitzerte das Wasser und auf ihrem Schnabel lag exakt jener Ausdruck, den man bekommt, wenn plötzlich eine aufgeregte Delegation hereinstolpert, obwohl man eigentlich einfach nur baden wollte.
„Ich war doch nur schwimmen! Mein Badeoutfit hatte ich schon an.“
Bobby blieb stehen. Herr Hering blieb stehen. Sogar der Berliner blieb kurz still, was in Kandel beinahe als Naturereignis durchgeht. Die Biertrinker-Ente sah auf das Badeoutfit, dann auf den Pool und musste widerwillig zugeben, dass die Theorie des Berliners ausnahmsweise nicht völlig aus der Luft gegriffen gewesen war.
Bobby räusperte sich und erklärte, man habe sie vermisst. Die Dame aus Baden-Württemberg hob nur eine Braue und fragte trocken, wer denn auf die Idee komme, eine Ente in Badebekleidung nicht zuerst beim Wasser zu suchen.
Warum am Pool ein Schild mit „geschlossene Gesellschaft“ hing
Eigentlich hätte der Fall an dieser Stelle erledigt sein können. Eine verschwundene Ente war wieder aufgetaucht, kein Fass rollte, niemand war entführt worden und Alois war zufällig nicht einmal in unmittelbarer Reichweite. Doch dann bemerkte Bobby das Schild am Pooleingang: „Privat – heute ab 15 Uhr geschlossene Gesellschaft“.
Herr Hering behauptete sofort, dieses Schild habe vor fünf Minuten noch nicht dort gehangen. Der Berliner meinte, Schilder tauchten nie grundlos auf – meistens nur, wenn jemand Platz, Aufmerksamkeit oder beides beanspruche. Die Dame aus Baden-Württemberg erklärte, sie habe angenommen, das sei irgendein überdrehter Wellness-Hinweis des Hauses.
Bobby notierte: „Fall abgeschlossen. Neuer Fall beginnt sofort. Typisch Kandel.“
Zwei fremde Enten mit erstaunlich viel Majestät
Noch ehe Bobby entscheiden konnte, ob das Schild nun amtlich oder bloß peinlich sei, glitt hinter einem Sonnenschirm eine neue Szenerie ins Bild: eine weiße, prachtvoll gefiederte Ente auf einem luxuriösen Sitzplatz, daneben eine stattliche, pelzig gekleidete Begleitung mit Top-Hat und Würde. Beide wirkten so, als gehöre ihnen mindestens der Pool – wenn nicht gleich der halbe Hafen.
Die Dame aus Baden-Württemberg trat einen Schritt zur Seite und stellte mit einer Selbstverständlichkeit, die alle anderen noch ratloser machte, fest, dass man es hier wohl mit König Quacko I. und Königin Fluffina von Federreich zu tun habe.
Der Berliner pfiff leise durch den Schnabel. Herr Hering drückte sein Klemmbrett so fest an sich, als könne es ihn vor Adel schützen. Bobby dagegen mochte grundsätzlich keine Fälle, in denen plötzlich Kronen vorkamen.
„Ihr seid zu früh“ – ein Satz, der alles noch schlimmer machte
Königin Fluffina blickte auf Bobby und die restliche Gruppe, nahm einen gemessenen Schluck aus ihrem Glas und sprach schließlich die Worte, die sofort wieder ein ganz neues Drama ankündigten:
„Ihr seid zu früh.“
Mehr kam zunächst nicht. Kein Gruß. Keine Erklärung. Kein Hinweis, warum im Kandel Hafen plötzlich ein Privatbereich für eine Königin reserviert war. König Quacko I. stand daneben wie eine gepanzerte Fußnote und sagte gar nichts, was die Sache kein bisschen entspannter machte.
Bobby fragte, wozu genau man zu früh sei. Die Königin lächelte nur. Der Berliner war überzeugt, dass sowas nie etwas Gutes bedeute. Die Dame aus Baden-Württemberg sah hingegen auffallend amüsiert aus – als wüsste sie längst mehr, als sie gerade preisgeben wollte.
Ein Rätsel mit Krone
Bobby stellte die einzig sinnvolle Frage: Was wollen ein König und eine Königin im Kandel Hafen? Königin Fluffina antwortete nicht direkt. Stattdessen deutete sie auf das reservierte Areal, den geschmückten Bereich und den streng abgeriegelten Poolrand.
Herr Hering flüsterte, ob man es vielleicht mit einer Inspektion, einem Staatsbesuch oder einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Wellness-Programm zu tun habe. Der Berliner vermutete eher, dass man etwas präsentieren wolle. Die Biertrinker-Ente fragte aus purer Gewohnheit, ob bei königlichen Anlässen Getränke frei seien.
Bobby erhielt keine klare Antwort – nur einen kleinen goldenen Anhänger, den Königin Fluffina beinahe beiläufig auf den Tisch legte. Darauf eingraviert war: „Mitternacht. Großer Steg. Nur geladene Federn.“
Mitternacht am Steg
Damit war klar: Die Dame aus Baden-Württemberg war zwar gefunden, doch der eigentliche Grund für die Unruhe im Hafen hatte gerade erst begonnen. Eine Königin reserviert keinen Poolbereich aus Langeweile. Ein König reist nicht im Pelz an, nur um die Sonne zu testen. Und eine Nachricht wie „Nur geladene Federn“ klingt nie nach einem harmlosen Abendprogramm.
Bobby steckte den Anhänger ein. Der Berliner grinste, weil er das Wort „geladen“ grundsätzlich spannend fand. Herr Hering schrieb vorsichtshalber schon einmal „mögliche Nachtaktion“ ins Protokoll. Und die Dame aus Baden-Württemberg ließ sich wieder entspannt auf ihre Liege sinken, als sei das alles genau nach Plan.
Als die Gruppe sich gerade zurückziehen wollte, rief Königin Fluffina ihnen noch hinterher: „Und sagt Alois, er soll diesmal die Weißwurst zu Hause lassen.“ Bobby blieb wie angewurzelt stehen. Woher kannte die Königin Alois?
Nächste Folge
Folge 6: Mitternacht. Großer Steg.
Wer hat eine Einladung? Warum kennt die Königin Alois? Und was geschieht um Mitternacht im Kandel Hafen? Bobby steht vor einem neuen Fall – diesmal mit Dresscode, Kronen und wahrscheinlich wieder viel zu wenig Antworten.